Blue Flower

Der Fortschritt wurde zum Mythos der Stadt. Alles veränderte sich; Flugzeuge flogen durch die Luft, und ein Mann von unternehmerischem Geist warf einen Sack mit Briefen aus einer Junker und erfand die Luftpost. Das Einzige, was sich gleich blieb, waren meine Zeitungsglossen. Die neuen Generationen fielen über sie her wie über ein mumifiziertes Stück Vergangenheit, das entsorgt werden musste, doch ich machte keine Konzessionen, behielt immer den gleichen Ton bei, gab dem Wind der Erneuerungen nicht nach. Ich stellte mich taub. Ich war gerade vierzig geworden, doch die jungen Redakteure nannten sie die Kolumne des Bastards Mudarra.
Der damalige Direktor zitierte mich in sein Büro und bat, ich solle mich auf die neuen Strömungen einstellen. Sehr feierlich, als hätte er es gerade erfunden, sagte er: Die Welt schreitet voran. Ja, erwiderte ich, sie schreitet voran, aber sie dreht dabei Kreise um die Sonne. Er behielt meine Sonntagsglosse bei, weil er keinen anderen gefunden hätte, der die Kabelmeldungen aufbereitete. Heute weiß ich, dass ich Recht hatte und auch warum. Die jungen Leute meiner Generation hatten vom Leben beansprucht, ihre Jugendträume gänzlich aus dem Blick verloren, bis die Realität sie lehrte, dass die Zukunft nicht so war, wie sie es einst erhofft hatten, woraufhin sie sich der Nostalgie hingeben. Und da waren meine Sonntagsglossen, ein archäologisches Relikt im Schutt der Vergangenheit, und man merkte, dass diese Texte nicht nur alte Leute ansprachen, sondern auch die Jungen, die keine Angst vor dem Altwerden hatten.

Gabriel G. Marquez